Tunnelblick

Mir ist vorhin beim Aufräumen eine alte Ausgabe von Brand Eins ( 03 / 2008 ) in die Hände gefallen: „Leben in Echtzeit“. Das war eine der Ausgaben, die mich als Multitasker natürlich schon damals sehr interessiert hat. Ich bin aber wohl nicht durch alle Artikel gekommen – „Augenblicke der Freiheit“ (S.117) hatte ich nicht mehr in Erinnerung.

Es geht in diesem Artikel um die Frage wann es richtig oder falsch ist, zu zögern – oder rein intuitiv zu entscheiden. Vor allem in Krisensituationen und in komplexen Zusammenhängen.

Ein Absatz hat mich dann nochmals gepackt. Es geht dabei um den Tunnelblick, und ein Experte für Unfallforschung wird zitiert: „… Und je komplexer eine Handlung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, sich auf das falsche Thema zu fokussieren.“ (S. 121)

Hier machte dann mein Hirn einen assoziativen Rittberger – kommt schonmal vor – und ich habe diesen Gedanken auf ein Unternehmen als Ganzen angewendet. Und ich habe meine persönlichen Erfahrungen Revue passieren lassen, wie Projekte oder ganze IT-Abteilungen auf von aussen induzierten Stress reagiert haben – z.B. der Entscheidung des obersten Managements, die IT zu großen Teilen auszulagern.

Da hab ich mir gedacht: auch soziale Organisationen – Firmen, Abteilungen, Projekte, Teams – können als Ganzes einen Tunnelblick entwickeln. Und je komplexer die vom Stress betroffenen Strukturen sind, umso wahrscheinlicher ist es, dass man in die falsche Richtung läuft. Wichtige Dinge übersieht. Vernunft in die Ablage packt und im Tunnel dem hellen Licht entgegenläuft, egal obs nun ein entgegenkommender Zug ist oder tatsächlich der Ausgang.

Ich finde hier ein paar spannende gedankliche Ansätze… wie kann man erkennen, dass eine Organisation im Modus „Tunnelblick“ ist – und wie kann man der Organisation diese Erkenntnis erkenntlich machen? … welche Instanzen braucht es in einer Organisation um Tunnelblick zu verhindern – oder zumindest in die richtige Richtung zu lenken? Inwieweit reflektiert sich dieser gedankliche Ansatz im digitalen Teil des Gesamtsystems Unternehmen? Gibt es einen „IT-Tunnelblick“… Was passiert wenn der Umwelt-Stress beim menschlich/organisatorischen Teil des Unternehmens einen Tunnelblick verursacht – und im „Subsystem“ der IT der gleiche Stress einen anderen?

Weiter unten im Artikel wird das Phänomen „Tunnelblick“ auch auf andere Verursacher bezogen – „… könnten emotionale Konflikte, Überforderung, und zu große Komplexität auslösen.“

Eine gewagte Analogie: eine überkomplexe IT- und Anwendungslandschaft versetzt das Unternehmen (wahlweise die IT-Abteilung) in einen permanenten Tunnelblick!

Obwohl… das könnte ich mit persönlichen Erfahrungen durchaus korrellieren…

Na das gibt noch so einiges an gedanklichem Futter für die nächsten Blog-Einträge und Forschungsabende…

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