3ter Forschungsabend, nächster Termin

4. November 2009

Wir haben letzten Freitag den dritten „systemischen IT“ Forschungsabend dieses Jahres durchgeführt. Alles in allem ein sehr schöner und erkenntnisreicher Abend.

Das Thema war „Einführung agiler Prozesse innerhalb einer Entwicklungsabteilung eines großen Konzerns“. Es stand dabei primär der „Konflikt“ zwischen den „neuen“ agilen Methoden und dem bewährtem „alten“ Wasserfallmodell im Vordergrund.

Die Aufstellung hat gezeigt wie sehr sich Organisationen (und deren Mitarbeiter) an dem Bewährten orientieren, selbst wenn „das Neue“ mit ersten positiven Erfahrungen verknüpft wird. Ein zweiter Aspekt war das man auch innerhalb der Agilität die Wahl hat zwischen „agil agil“ oder „unbeweglich agil“ – sprich: ob man die neue Methode strikt und ohne Anpassung an die lokalen Gegebenheiten einführt („unbeweglich agil“) – oder ob man sich eine eigene Agilität erarbeitet, d.h. die Methoden den spezifischen Bedürfnissen der Organisation anpasst.

Wir hatten 4 neue Teilnehmer welche sofort auf den Aufstellungszug mit aufgesprungen sind und mitgemacht haben. Hierfür herzlichen Dank!

Auf Wunsch der Teilnehmer haben wir für dieses Jahr noch einen letzten Systemischen-IT-Abend eingeplant: den 27. November. Einladungen gehen noch gesondert raus.

Es gibt wohl auch schon direkt Themen, die sind allerdings noch nicht benannt. Was der Schwerpunkt des Abends sein wird werde ich noch per Blog/Mail kundtun.

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Zusammenfassung 1./2. Forschungsabend

7. Oktober 2009

Die Forschungsabende liegen nun mehr als zwei Wochen zurück und ich denke es wird Zeit für eine erste Zusammenfassung und Bewertung. Wobei… wo sind eigentlich die 2 1/2 Wochen geblieben? Zeit verfliegt…

Ich werde für jeden Forschungsabend einen eigenen Blog-Eintrag mit Details und Ergebnissen schreiben – zunächst einmal eine erste Gesamtbewertung aus der Vogelperspektive…

Zunächst einmal möchte ich (ebenso wie Anja und Leo) mich aber bei allen Teilnehmern bedanken. Ohne Euch hätte es nicht funktioniert, und ich möchte insbesondere für Eure Offenheit, Eure Experimentierfreunde und (ganz wichtig!) Eure Geduld Danke sagen.

Wie immer bei solchen Forschungsaktivitäten geht es am Anfang etwas holprig. Ich hoffe, dass wir als Organisatoren mit der Zeit insgesamt flüssiger werden – auch wenn es darum geht Neues auszuprobieren. Oder anders formuliert: auch das Neue ausprobieren kann geübt werden…

Der erste Abend lag vom Ansatz näher an den „klassischen“ Ansätzen der Organisationsberatung (es gibt ein Thema, einen Anliegenbringer, es wird eine Aufstellung durchgeführt etc). Es wurde das Format „Projektscope abklären“ anhand eine echten Falls ausprobiert – und das mit Erfolg.

Der zweite Abend stand unter der Prämisse „mal ganz was Experimentelles“. Hier stand die Idee des „visuellen Denkens“ im Vordergrund. Es geht dabei darum, die Elemente der Aufstellung dazu zu nutzen, die Intelligenz der Gruppe anzuzapfen („swarm intelligence“) und im Team zu besseren Lösungen zu kommen. Dieses visuelle Denken soll z.B. bei der Entwicklung von Objekt- oder Datenmodellen zum Einsatz kommen.

Das hat nicht ganz so gut funktioniert wie beim ersten Abend, was aber z.T. daran lag, dass keiner der Teilnehmer eine „echte“ technische Fragestellung mitgebracht hat. Ich habe dann ersatzweise ein technisches Thema aus meiner Themenkiste herausgeholt. Der Verlauf der Aufstellung war aber etwas zähflüssig und mühsam – da ich zugleich Aufsteller als auch derjenige mit dem inhaltlichen Thema sowie der „Erfinder“ des Aufstellungsformats war, ist das jetzt aber auch nicht überraschend. Ich war *leicht* überfordert… 😉

Die Kernidee – das Anzapfen der Gruppenintelligenz – hat aber funktioniert. Es war spannend zu erkennen dass man die Selbstorganisationsfähigkeit einer Gruppe – und damit die Gruppenintelligenz – so leicht anzapfen und anregen kann.

Zusammengefaßt lässt sich sagen, dass die Idee der Anwendung der systemischen Ansätze auf IT-Themen an beiden Abenden funktioniert hat.

Wir als Organisatoren sind daher sehr zufrieden mit den Abenden und Erkenntnissen und haben schon den nächsten Termin für den Oktober geplant: 30. Oktober 2009.


Neuer Namen, neue Termine

20. August 2009

Nach meiner Rückkehr aus USA sind nun inzwischen fast 4 Wochen vergangen – und nach 7 Wochen „Famile pur“ hats auch ein bisschen gedauert bis ich wieder im Tritt war in meinen deutschen Bahnen…

Vor meiner Abreise hat sich noch eine weitere Mitstreiterin gefunden, über die ich noch nicht berichtet habe: Anja Müller, wandelbar Unternehmensberatung, Köln.

Sie ist ebenfalls eine „systemische IT’lerin“ – sie hat Wurzeln in der IT, aber inzwischen auch langjährige Erfahrungen als Beraterin und Coachin.

Willkommen im Team!

Die Institutsarbeit kommt nun – auch dank Anja und ihrem unermüdlichen Einsatz – wieder mit großen Schritten voran.

Nach meiner Rückkehr war dann natürlich eines der Themen: in welchem Bezug steht Anja zum Institut? Mitglied? Gibt es sowas wie Mitgliedschaft überhaupt in unserem experimentellen Umfeld? Was grenzt das Institut von den anderen systemischen IT’lern ab?

Letztlich sind wir zur Überzeugung gekommen: das „Institut“ erzeugt eine künstliche Grenze die wir (Leo und ich) eigentlich gar nicht haben wollten (wer ist „drin“ und wer ist „draussen“?)

Und der Begriff „Institut“ schafft eine Erwartungshaltung die wir ggf. gar nicht erfüllen können – nämlich das die Leitung für alle Aktivitäten verantwortlich ist und diese zu steuern hat. Was wir gar nicht so sehen – wir wollen forschen und experimentieren und eher weniger „managen“…

Von daher haben wir uns entschlossen das Institut in ein Netzwerk umzuwandeln… was in unserer Wahrnehmung auch deutlich besser zum systemischen Gedanken passt.

Unabhängig davon gehen die Vorbereitungen für die nächsten beiden Termine (11.9. sowie 18.9.) in die letzten Vorbereitungen. Wir feilen noch an der Einladung die aber Anfang der Woche finalisiert sein dürfte.

Wir haben schon eine Reihe von angemeldeten Gästen und freuen uns natürlich über jede weitere Anmeldung.

Die Veranstaltung findet in Köln statt – mehr Details auf der Netzwerk-Website.

Andrew Smart


Kein Forschungsabend im Februar

20. Februar 2008

Bedingt durch private Themen fällt der Forschungsabend im Februar leider aus. Dies ist auch der Grund warum es von meiner Seite aus in den letzten Wochen im Blog so ruhig geworden ist.

Sobald sich die Dinge geklärt und sortiert haben gehts mit der Institutsarbeit wieder weiter.


Wie sieht ein Forschungsabend aus?

11. Januar 2008

Eine weitere häufig gestellte Frage ist: wie kann ich mir so einen Forschungsabend vorstellen?

Der typische Ablauf an einem Abend sieht ungefähr so aus:

  • wir treffen uns
  • ich/wir erklären kurz das Prozedere der Aufstellung
  • jemand schmeisst ein echtes oder fiktives Thema in die Runde
  • wir probieren aus wie man das Thema aufstellen könnte
  • danach wir diskutiert ob das so funktioniert, was man verändern könnte etc
  • dann kommt das nächste Thema dran.

Wie läuft eine „Aufstellung“ ab?

Fiktives Beispiel: ich überlege ob wir die Webseiten im Institut auf einen eigenständigen Server hosten sollen oder ob wir es bei einer VPS-Variante belassen. Ich bin sozusagen der Client, und mein Partner Leo Maier würde mich durch die Aufstellung begleiten. Meine Frage ist: ich will wissen welche Server-Variante welche Vorzüge hat.

Um aufzustellen brauchen wir etwas freien Platz. Es sind genügend Personen an dem Abend da, also nehme ich mir für jeden Aspekt der mir so in den Sinn kommt eine der anwesenden Personen und stelle damit eine Art lebendes Strukturmodell. In der Mitte der Server, hinten links die Website, vorne rechts den Aspekt Performance, vorne links den Aspekt Kosten (reine Fiktion!). Sprich: es stehen 4 Personen im Raum, plus mir und Leo. Beispielhaft als Diagramm die Servervariante:

Beispiel Aufstellung

Dann wird mit der Struktur gearbeitet: statt des Servers wird jemand anders als VPS-Lösung aufgestellt, die Aufstellung verändert sich dadurch:

 VPS-Variante

In beiden Fällen bespricht Leo mit mir anhand der aufgestellten Skulptur welche Vor- und Nachteile die jeweilige Lösung hat. Und die Stellvertreter welche für die Aspekte im Raum stehen werden ebenfalls nach Meinungen befragt. Interessanterweise – und das ist das Spannende beim Aufstellen – können einem die Stellvertreter erstaunliche Perspektiven und Sichtweisen anbieten.

Ich hab dann noch die Möglichkeit in diese lebende Struktur einzusteigen und z.B. die Perspektive des Servers zu übernehmen.

Nach einigem Befragen und Nachhaken wird dann die Skulptur aufgelöst, d.h. die Stellvertreter gehen aus der Aufstellung raus, man bespricht noch die Erkenntnisse und die Arbeit ist beendet.

Ich habe selbst schon an über 100 Aufstellungen (allerdings nicht auf IT-Themen bezogen) mitgemacht und selbst schon x-dutzend Aufstellungen angeleitet. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen das man nachher meistens deutlich klüger ist als vorher, und das man dann Aspekte des Themas sieht die man vorher nicht wahrgenommen hat.

Das von mir benutzte Beispiel ist jetzt ein echtes IT-Thema. Ich kann jetzt nicht mit 100% Sicherheit sagen ob das so wie ich es beschrieben habe wirklich Sinn machen würde. Vielleicht würde man auch eine andere Form wählen – das gilt es eben humorvoll-gelassen auszuprobieren.

Skeptiker können natürlich zu Recht einwenden das man eine derartige Frage auch anhand eines Fragebogens und/oder einer Evaluation klären kann. Das ist inhaltlich natürlich richtig. Inhaltlich (welche Variante ist besser) kommt man sowohl bei der klassischen Evaluation als auch bei der Aufstellung zum gleichen Ergebnis.

Man vernachlässigt aber den Aspekt das man in kürzerer Zeit über einen derartigen Aufstellungsprozess eine viel größere Gruppe an Personen an der Entscheidungsfindung teilnehmen lassen kann – und das eine mehr Personen das Gefühl hat zur Entscheidung wirklich etwas beigetragen zu haben. Abgesehen davon dauert eine Aufstellung vielleicht 45m – 60m. Bei 10 Personen die in diese Entscheidung einbezogen werden sollen wären das 10 Arbeitsstunden.

Schafft man mit insgesamt 10 Arbeitsstunden eine saubere, inhaltlich korrekte Evaluation einer derartigen Entscheidung, inkl. der Wissensvermittlung wie die Entscheidung zustande gekommen ist und mit dem vermittelten Gefühl bei der Entscheidung beteiligt worden zu sein?

Die Antwort überlasse ich meinen meeting- und evaluationserprobten Lesern… 😉

Andrew Smart